Ursula Ott: Scharfzüngig, diskussionsfreudig, evangelisch

21.07.2017 | Die Diplom-Journalistin Ursula Ott war am Rutenfreitag 2017 Gast bei "Heimspiel"-Medienmacher.

 

Die gebürtige Ravensburgerin Ursula Ott (links) ist heute Chefredakteurin des erfolgreichen evangelischen Magazins "chrismon". In der Veranstaltungsreihe "Heimspiel - Medienmacher" hat sie im Gespräch mit Ulf Nürnberger (rechts) aus ihrem Leben erzählt.
Die gebürtige Ravensburgerin Ursula Ott (links) ist heute Chefredakteurin des erfolgreichen evangelischen Magazins "chrismon". In der Veranstaltungsreihe "Heimspiel - Medienmacher" hat sie im Gespräch mit Ulf Nürnberger (rechts) aus ihrem Leben erzählt.

Sie ist scharfzüngige Kolumnistin, Journalistin, Buchautorin, Moderatorin und Chefredakteurin des evangelischen Magazins "chrismon" und des Online-Kanals "evangelisch.de": Ursula Ott, in Ravensburg geboren und aufgewachsen, ist ihren Weg gegangen – "raus in die Welt, raus ins Leben". Zum Rutenfest ist sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und war Interview-Gast beim vierten "Heimspiel-Medienmacher" im Museum Humpis-Quartier. Die Veranstaltungsreihe stellt erfolgreiche Akteure der Medien- und Kreativbranche mit Bindung zu Ravensburg vor. Initiatoren sind die Initiative Ravensburg und der Moderator Ulf Nürnberger von UN.Media.

Diskussionsfreudig war Ursula Ott immer schon – in der evangelischen Kirche der 80-er Jahre ebenso wie im Ravensburger Welfen-Gymnasium, wo sie ein "1a-Abi" abgelegt hat. Geschrieben hat sie ebenfalls immer schon. "Ich habe schon als Kind gerne fabuliert", erzählt sie. Weil sie "irgendwas mit Schreiben" machen wollte, studierte sie an der Deutschen Journalistenschule in München Diplom-Journalistik und sammelte erste Erfahrungen als Gerichtsreporterin für die Frankfurter Rundschau. "Das fand ich hoch spannend!"

Das "fleißige Mädchen aus Oberschwaben", wie sie sich bezeichnet, war am Frankfurter Landgericht neben Gewalt, Drogendelikten und islamistischem Terrorismus vor allem auch mit Sexualstraftaten und Kinderpornographie konfrontiert. Diese "Frauenthemen" und die Frauenbewegung haben Ursula Ott besonders interessiert – für die großen Zeitungen galten solche Prozesse Ende der 1980-er Jahre eher als "Schmuddelgeschichten".

Dass Ursula Ott 1990 zur "Emma" in Köln wechselte, sieht sie rückblickend als "logische Folge": "Ich hatte das Gefühl, ich habe was zu sagen, meine Texte sollten etwas verändern." Von Alice Schwarzer habe sie trotz manch unterschiedlicher Interessen "irre viel gelernt" – vor allem, für eine Sache zu streiten.

Nach drei Jahren "Emma" folgten ab 1993 zehn Jahre Redakteurszeit bei der "Woche" in Hamburg, daneben Kolumnen bei "Sonntag aktuell" und ab 2002 der Wechsel als Kolumnistin für die "Brigitte". "Wenn mich Leute heute kennen, dann meistens aus der Brigitte", sagt die 53-Jährige.

Zwei Jahre lang hat sie für das Frauenmagazin vor allem politische Kolumnen geschrieben – nicht einfach in einer Zeit, als sich das gesellschaftskritische Blatt gerade in einer Übergangsphase befand und sich zunehmend zum Koch- und Modemagazin entwickelte. Auch für die damals in Trennung lebende Journalistin eine gesellschaftlich schwierige Situation: Nach Anfeindungen übers Internet durch "Kampfmütter, Vollzeitmütter und deren schreckliche Mails" war es Zeit zu wechseln. "Ich stand am Kiosk und fragte mich: Wo würde ich gerne arbeiten?" Ihre Bewerbung beim Magazin "chrismon" war eine Punktlandung – die Protestantin wurde 2005 als stellvertretende Chefredakteurin eingestellt – in Frankfurt. Das hieß für sie Pendeln zwischen Frankfurt und ihrem Wohnort Köln, wo sie mit ihren zwei Söhnen in einer Patchworkfamilie lebte. Die Zugfahrten sind für sie bis heute Inspiration: "Ich werde unfreiwillig Zeugin vieler Gespräche und schöpfe aus dem prallen Leben."

Aus dem prallen Leben hat sie auch in ihren Büchern geschrieben – über Patchworkfamilien, die Steuerfahndung oder Paare, die trotz diverser Schicksale zusammen geblieben sind. Ihre zum Teil sehr humorig geschriebenen Bücher waren Auslöser dafür, dass sie zum häufigen Gast in diversenTalk-Shows wurde.

Jetzt ist die Frau mit dem starken Willen auch Managerin – in einem nach wie vor von Männern dominierten Berufsumfeld. Herausforderungen gibt es genug. Investieren muss sie vor allem in die digitalen Medien – "ein schwieriges Geschäft", meint die wortgewandte Frau. Dennoch ist sie überzeugt vom Konzept ihres Magazins: "Unsere Geschichten sind ein Kontrapunkt zu den schnellen Medien." Dass ihre Reportagen mit den langen, sorgfältigen Recherchen und der opulenten Bildersprache ankommt, zeigen neueste Zahlen der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse: "1,5 Millionen lesen uns – und das ist sensationell", verkündet die Chefredakteurin freudestrahlend. Die Beilage zur ZEIT und zur Süddeutschen Zeitung hat eine Auflage von 1,6 Mio. "Wir haben um 12 Prozent zugelegt!" Für sich selbst hat sie entschieden, wenigstens eine große Geschichte im Jahr zu schreiben – zuletzt eine Reportage über Kolumbien nach 50 Kriegsjahren, "eine Geschichte über Enttäuschung". Geschrieben hat sie immer gerne: "Ich bin glücklich beim Schreiben, ich arbeite sehr gerne - ich bin Protestantin!"

Dass die bekennende Christin heute ein evangelisches Magazin leitet, hat nicht zuletzt auch mit ihrer eigenen Geschichte als "evangelisches Mädchen" in Ravensburg zu tun: 1963 geboren, gehörte sie sowohl im Kindergarten als auch in der Schule zur religiösen Minderheit. "Evangelisch zu sein war nicht lustig zu diesen Zeiten", erinnert sie sich an viele Negativerlebnisse zurück. Diese "brutale Minderheitenposition hat mich politisiert." Kein Wunder, hat die jugendliche Ursula Ott die Diskussionskreise und das Argumentieren in der evangelischen Kirche der 80-er Jahre als äußerst positiv erlebt.

Trotz dieser Kindheits- und Jugenderfahrungen kommt Ursula Ott immer wieder gerne nach Ravensburg zurück: "Der Kulturraum Ravensburg - Weingarten – Oberschwaben, das ist meine Heimat."

Ravensburgs Bürgermeister Simon Blümcke begrüßte Ursula Ott und die Gäste. Er  bedankte sich bei Ulf Nürnberger von UN.Media und Anita Müller und Eugen Müller von der der Initiative Ravensburg (Stadt und Wirtschaftsforum Pro Ravensburg) für die gemeinsame Initiative zur Reihe Heimspiel - Medienmacher.
Ravensburgs Bürgermeister Simon Blümcke begrüßte Ursula Ott und die Gäste. Er bedankte sich bei Ulf Nürnberger von UN.Media und Anita Müller und Eugen Müller von der der Initiative Ravensburg (Stadt und Wirtschaftsforum Pro Ravensburg) für die gemeinsame Initiative zur Reihe Heimspiel - Medienmacher.

Impressionen - Fotos: UN.Media

 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13

Suche