24.03.2026 | Stadt will Kulturangebote sichern und dafür Räume bieten. Oberschwabenhalle könnte künftig eine Sporthalle werden.
Die Stadtverwaltung Ravensburg hat unter dem Leitmotiv "Kooperation und Konzentration" eine Idee präsentiert, wie sich die künftigen Raumbedarfe für kulturelle Veranstaltungen in der Stadt zukunftsfähig abbilden lassen können. Damit hatte sich der Ausschuss für Kultur, Tourismus und Stadtmarketing des Gemeinderates kürzlich beschäftigt.
Vor dem Hintergrund der künftigen räumlichen und
finanziellen Herausforderungen, möchte die Stadt Ravensburg ganzheitlich
denken, um das Kulturangebot in Ravensburg nachhaltig zu sichern. Ziel ist es,
die Angebote zu bündeln, Doppelstrukturen abzubauen und die Zukunft dieser
Angebote zu sichern.
Das Theater Ravensburg muss seinen aktuellen
Standort in der Zeppelinstraße Mitte des Jahres 2027 verlassen. Die Räume sind
derzeit privat angemietet. Zudem befindet sich das Figurentheater in Räumen,
die nur sehr teuer zu sanieren wären, was aber perspektivisch ansteht. Das
würde den Verein und die Stadt finanziell überlasten. Die Idee der Stadt: sie
möchte einen Ort zur Verfügung stellen, an dem sich verschiedene Kulturangebote
unter einem Dach finden können. Das Frauentorkino eignet sich wegen seiner innenstadtnahen
Lage und der räumlichen Gegebenheiten gut als künftige Heimat des Theater
Ravensburg und als Kulturbühne weiterer Akteure, wie zum Beispiel auch dem
Figurentheater. Der Eigentümer des Kinos möchte das Gebäude verkaufen und die
Einnahmen in seinen Kinostandort Die Burg am Marienplatz investieren. Denn auch
dort muss zum Erhalt des Kinos investiert werden. Ein Investor steht bereit, der
das Gebäude des Frauentorkinos kaufen und zu einer Kulturstätte umbauen würde.
Die Stadt wiederum könnte das Gebäude in der Folge anmieten und in eigener
Verwaltung durch das Kulturamt an Kulturakteure für ihre Veranstaltungen
vergeben. Hauptnutzer wäre das Theater Ravensburg, aber auch andere Akteure sollen
dort veranstalten können. Somit könnte der Bedarf an Veranstaltungsorten für
Kulturschaffende gedeckt werden.
Bei den neuen Überlegungen um die Kulturstandorte
ist klar: das Konzerthaus, das ein Kulturdenkmal ist, soll in jedem Fall als
Veranstaltungshaus beibehalten werden. Auch vor diesem Hintergrund möchte die
Stadt ihre finanziellen Möglichkeiten bündeln. Denn auch das Konzerthaus muss
in den nächsten Jahren umfassend saniert werden, um es erhalten zu können.
Während einer solchen Sanierung könnten im Konzerthaus so lange keine
Veranstaltungen mehr stattfinden. Auch deshalb wäre ein dann etablierter
Standort am Frauentorkino als eine Art vorrübergehender Ersatzstandort
hilfreich.
Neben den Überlegungen im Bereich der kulturellen
Bühnen besteht gesamtstädtisch der Bedarf nach einer neuen Sporthalle. Insbesondere
für den Schulsport unter Berücksichtigung von G9 im Bereich der Gymnasien und
steigenden Schülerzahlen werden diese zusätzlichen Hallenkapazitäten benötigt.
Der Neubau einer Sporthalle wird mit Kosten zwischen 15 und 25 Millionen Euro
beziffert. Die Idee: die Oberschwabenhalle wird künftig als Großsporthalle
genutzt, denn dieses Gebäude besteht bereits und befindet sich im Eigentum der
Stadt. Sie wäre mit ihren Zuschauerplätzen, Garderoben, Logistikbereichen und
Vorrichtungen zum Einbau von Sportgeräten für den Schulsport, Vereinssport und
Sportveranstaltungen, zum Beispiel Wettkämpfe, bestens geeignet. Auch Tanzen –
Spielen – Musizieren beim Rutenfest könnte dort weiterhin stattfinden. Die
Halle stammt aus dem Jahr 1959. Backstagebereich und Foyer wurden im Jahr 2003
angebaut. Unabhängig von der Nutzung wäre in den kommenden Jahren eine
Sanierung fällig. Auch wenn Investitionen für eine Umnutzung zur Sporthalle
nötig sind, ist die Weiterverfolgung dieser Idee sinnvoll. Denn so würde der
Neubau und Betrieb einer Sporthalle zusätzlich zum Betrieb der
Oberschwabenhalle als Veranstaltungsstätte entfallen. Das Freigelände der
Oberschwabenhalle könnte auch in Zukunft als Parkplatzfläche und für
Veranstaltungen im bisherigen Umfang genutzt werden.
Durch die Konzentration auf den Bereich Sport
würde die Nutzung für Comedy-, Konzert- und Messeformate entfallen. Zweifelsfrei
ein Verlust für Ravensburg, der allerdings verkraftbar scheint, wenn man über
Ravensburg hinausdenkt. Denn durch die nahegelegenen Veranstaltungsstätten im
gemeinsamen Oberzentrum Ravensburg-Friedrichshafen-Weingarten und darüber
hinaus, könnten entsprechende Formate weiter angeboten werden. Die
verschiedenen Veranstaltungshäuser sind eng miteinander vernetzt. Die Stadt
Friedrichshafen beispielsweise hat bereits signalisiert, dass sie sich darüber
freuen würde, mehr Veranstaltungen, beispielsweise in den Messehallen,
aufzunehmen. Der Umbau der Oberschwabenhalle zur Großsporthalle könnte ab dem
Jahr 2029 beginnen. Bis dahin würde der Betrieb in gewohntem Umfang
weiterlaufen.
Die Stadt plant zu den Überlegungen im Bereich
Kooperation und Konzentration in der Kultur eine
Bürgerinformationsveranstaltung in der Oberschwabenhalle. Dort soll das
Leitmotiv nochmals erläutert und Raum für Fragen gegeben werden. Weitere
Informationen zum Termin und zur Anmeldung dazu folgen.
Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp: "Bei der Gesamtidee
geht es mir vor allem darum, die Angebote der Kulturakteure für die Zukunft zu
sichern. Und auch für den Sport brauchen wir mehr Hallenflächen. Vor dem
Hintergrund dessen, was wir uns als Stadt finanziell leisten können, ist nun
ein sehr durchdachter Vorschlag entstanden, mit dem wir auch unser Personal
halten können. Das brauchen wir für den Aufbau und den Betrieb der neuen
Kulturstätte. Mir ist bewusst, dass hier ganz neu gedacht wird und Detailfragen
noch offen sind. Ich möchte aber den Blick gerne nach vorne richten und sicherstellen,
dass wir den Bedarf an Räumen für Kulturschaffende nachhaltig sichern und den
Bedarf des Sports abdecken können."
Die Fraktionen im Ravensburger Gemeinderat haben
die Verwaltung beauftragt, die Idee der neuen Kulturbühne im Frauentorkino
weiterzuverfolgen und ein Konzept für die Nutzung der Oberschwabenhalle als
Großsporthalle zu erarbeiten. Die weiteren Ergebnisse werden dann im
Gemeinderat beraten.