Erinnerungsorte in Ravensburg

Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Ravensburg

Stolpersteine in Ravensburg erinnern an die jüdische Familie Sondermann.

In Ravensburg sind im Zeitraum von 1933 bis 1945 mehr als 5.000 Menschen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden. In den vergangenen Jahren ist in zahlreichen Publikationen die NS-Vergangenheit der Stadt grundlegend aufgearbeitet worden.
Ravensburg hat aufgrund seiner spezifischen Vergangenheit und Verantwortung zahlreiche Mahnmale und Erinnerungsorte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geschaffen. An zwei Gedenkorten setzt sich die Stadt mit Tätern der NS-Gewaltherrschaft auseinander.

Opfer der "Euthanasie" in Ravensburg

Im Rahmen der Euthanasie-Aktion T 4 wurden aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Weißenau zwischen Mai und Dezember 1940 mindestens 677 Patienten in die Vernichtungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb deportiert. Die als "lebensunwert" eingestuften Opfer wurden in grauen Bussen und für jedermann sichtbar abtransportiert. Im März 1941 erfolgte ein weiterer Transport von 14 Patienten aus Weißenau zur Tötung nach Weinsberg.


  • Mahntafel für die 691 in Grafeneck ermordeten Opfer der "Euthanasie" in Weißenau sowie der Gefallenen beider Weltkriege aus Weißenau nördlich des Hauptportals der ehemaligen Klosterkirche Weißenau, 1983 (Abteistraße, 88214 Ravensburg-Weißenau)

    Mahntafel Weissenau


  • Tafel für die Opfer der "Euthanasie" in Liebenau an der Kirche Obereschach (Kirchweg 2, 88214 Ravensburg-Obereschach)

    - Tafel für die Opfer der "Euthanasie" in Liebenau an der Kirche Obereschach


  • Denkmal der grauen Busse von Horst Hoheisel und Andreas Knitz, Pforte Zentrum für Psychiatrie Weißenau und "bewegliches" Denkmal, Stadt Ravensburg und Zentrum für Psychiatrie, 2007 (Weingartshofener Str. 2, 88214 Ravensburg-Weißenau)

    Grauer Bus zfp

    Das 2007 errichtete Denkmal für die Opfer der Euthanasie-Morde besteht aus zwei Betonbussen, die Bezug nehmen auf die grauen Transportbusse der Jahre 1940/41. Dem Denkmal ist das Zitat "Wohin bringt Ihr uns?" eingraviert, die überlieferte Frage eines der Opfer beim Abtransport. Der eine "Graue Bus" steht seit Januar 2007 dauerhaft in der "alten Pforte" des Zentrums für Psychiatrie "Die Weissenau". Der zweite Bus ist als mobiles Denkmal konzipiert, um andernorts an die Verbrechen der Euthanasie-Aktion zu erinnern.

    Infotafel zum Denkmal der Grauen Busse in Ravensburg-Weißenau
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https://www.zfp-web.de/unternehmen/erinnern-und-gedenken/

Ravensburger Juden

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Ravensburg die acht jüdischen Familien Adler, Erlanger, Harburger, Heimann, Herrmann, Landauer, Rose und Sondermann mit ihren Angestellten. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 sind auch die Ravensburger Juden diskriminiert, zur Auswanderung gezwungen oder in Konzentrationslagern ermordet worden.


  • Stele in der Erlanger-Anlage in Burach-Ost zur Erinnerung an die Vertreibung und Ermordung der Ravensburger Juden, 1988 (Am Sonnenbüchel, 88212 Ravensburg)

    Stele Ludwig-Erlanger Anlage
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    „Diese Grünanlage wurde 1990 nach dem jüdischen Agronomen Dr. Ludwig Erlanger (1896-1966) benannt, der von 1924 bis zu seiner erzwungenen Auswanderung nach Palästina im Jahre 1939 hier den Burachhof als Mustergut für Obsterzeugung betrieb. Ab 1933 bildete er jüdische Jugendliche aus, die nach Palästina auswandern wollten. Damit soll zugleich die Erinnerung an alle Ravensburger Juden wach gehalten werden, die zwischen 1933 und 1945 vertrieben und ermordet wurden.“

    Schild Ludwig-Erlanger-Anlage


  • Gedenktafel am Beginn und Ende der ehemaligen Judengasse, heute Grüner-Turm-Straße, 1992 (Grüner-Turm-Straße, 88212 Ravensburg)

    Schild Judengasse Infotext
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    „Die Grüner-Turm-Straße hieß seit dem Mittelalter „Judengasse“ (später Judenstraße), weil sich hier bis zur Vertreibung der Juden im Jahr 1429 das jüdische Ghetto befand. Der Straßenname bestand bis 1934. Dann wurde die Straße nach einem Hitlerjungen in „Herbert-Norkus-Straße“ umbenannt, und zwar vor allem deshalb, weil in der benachbarten „Bauhütte“ die Hitler-Jugend untergebracht war, die durch die Judenstraße an- und abmarschierte. Im Mai 1945 erhielt die Straße ihren heutigen Namen“.

    Schild Grüner-Turm-Straße


  • 13 Stolpersteine für die Familien Erlanger, Harburger, Landauer, Rose, Finsterhölzl, 2006

    Um die Erinnerung an Vertreibung und Ermordung lebendig zu erhalten, ist im Jahr 2005 ein Schülerprojekt der Klasse 13 am Welfengymnasium entstanden mit dem Ziel, allen jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Ravensburg einen persönlichen Gedenkstein, einen „Stolperstein“ zu setzen. Dazu wurden von den zwölf Schülerinnen und Schülern auf Grundlage der Akten im Stadtarchiv und der Beiträge von M. Hauser und H. Hörtling in dem Buch „Ravensburg im Dritten Reich“ unter Leitung von Oberstudienrat und Stadtrat Wilfried Krauss und in Zusammenarbeit mit dem Archivpädagogen Oberstudienrat Wolf-Ulrich Strittmatter die persönlichen Einzelschicksale herausgearbeitet und die Texte für die „Stolpersteine“ verfasst. Das Ergebnis bildet eine Liste mit den Namen von 25 jüdischen Ravensburger Bürgern, die jeweils vor ihrem zuletzt selbstständig gewählten Wohnsitz in Ravensburg einen „Stolperstein“ erhalten sollen.

    Als Vorbild diente den Schülern das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der zur Erinnerung an die Vernichtung und Vertreibung von Juden, Zigeunern und anderen Opfern des Nationalsozialismus seit 2003 über 10.000 Stolpersteine in mehr als 200 deutschen Städten verlegt hat. Mit den etwa 12 x 12 cm großen, vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegten Messingsteinen hält er die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort lebten. Auf den Messingsteinen finden sich die Namen und in Kurzform die persönlichen Schicksale der Opfer. Das Projekt basiert auf Patenschaften für die Herstellung und Verlegung.

    Am 3. Juli 2006 hat der Gemeinderat, nachdem Gespräche mit den Angehörigen der Opfer und den Hauseigentümern vorausgegangen waren und Stadtrat Krauss durch einen Aufruf in der Schwäbischen Zeitung eine um das Vierfache höhere Übernahme der erforderlichen Patenschaften erreichen konnte, einstimmig das Schülerprojekt unterstützt und der Verlegung von „Stolpersteinen“ zugestimmt.

    Am 13. September 2006 hat Gunter Demnig für die Familien Erlanger am Sonnenbüchel 45, Harburger in der Kirchstraße 11, Landauer am Marienplatz 31 und Rose am Gespinstmarkt 27 sowie für Elsa Finsterhölzl am Marienplatz 17 die ersten 13 Stolpersteine verlegt.

    Stolpersteine Fanni Erlanger, Dr. Ludwig Erlanger, Peter Erlanger, Suse Erlanger
    Fanny Erlanger, Dr. Ludwig Erlanger, Peter Erlanger, Suse Erlanger, Am Sonnenbüchel 45

    Stolpersteine Dr. Fritz Rose, Martha Rose, Helmut Rose
    Dr. Fritz Rose, Martha Rose, Helmut Rose, Gespinstmarkt 27

    Stolpersteine für David Harburger, Rosa Harburger, Jakob Harburger
    David Harburger, Rosa Harburger geb. Meyer, Jakob Harburger, Kirchstraße 11

    Stolpersteine Friedrich Landauer, Betty Landauer
    Friedrich Landauer, Betty Landauer geb. Uhlfelder, Marienplatz 31

    Stolperstein Elsa Finsterhölzl geb. Landauer
    Elsa Finsterhölzl geb. Landauer, Marienplatz 17



  • Ehrenmedaille der Stadt Ravensburg für Pinchas Erlanger, Shavei Zion, Israel, 2006

    Ehrenmedaille der Stadt Ravensburg für Pinchas Erlanger


  • Namensgebung Dr.-Ludwig-und-Fanni-Erlanger-Halle durch Bildungszentrum St. Konrad, 2006 (Hegaustr. 25/27, 88212 Ravensburg)

    Dr. Ludwig- und Fanny-Erlanger-Halle
    „Dr.-Ludwig-und-Fanni-Erlanger-Halle"
    Dr. Ludwig und Fanni Erlanger waren von 1925 bis 1939 die Besitzer des Burachhofes. Auf Druck des NS-Regimes musste die jüdische Familie den Hof aufgeben und wanderte unter größten Schwierigkeiten in das damalige Palästina aus. Auf einem Teil des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs steht heute das Bildungszentrum St. Konrad.

    Das Anwesen des Burachhofs umfasste rund 18 Hektar und galt als Mustergut. Die Erlangers spezialisierten sich auf Obstanbau und betrieben mit eigenem und aufgekauftem Obst eine maschinelle Apfelsaftproduktion. Der naturreine Saft, Marke „Bodan“, wurde in ganz Deutschland verkauft.

    Nach der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 wurde Dr. Ludwig Erlanger vorübergehend inhaftiert und gezwungen, den Hof an die Stadt Ravensburg zu verkaufen. Die Familie Erlanger musste das Haus mit dem Pächter teilen und lebte über ein Jahr bis zur Auswanderung Ende November 1939 bedroht und zusammengepfercht in einem Teil des zweiten Stocks.

    In der Folgezeit wurde der Burachhof durch Pächter bis 1969 weiter bewirtschaftet. Ein Teil des Areals wurde dann an das Freie Katholische Modellschulwerk e. V. – das heutige Katholische Schulwerk Ravensburg/Weingarten e.V. (Trägerverein) – verkauft und nach dem Abriss des Burachhofs neu bebaut.“



  • Stolpersteine für die Familien Sondermann (Kirchstraße 1 und Leonhardstraße 3) und Adler (Marienplatz 61), 5. Oktober 2007

    Stolpersteine Siegfried Sondermann, Hilda Sondermann
    Siegfried Sondermann, Hilda Sondermann geb. Weil, Kirchstraße 1

    Stolpersteine Gustav Adler, Lotte Adler
    Gustav Adler, Lotte Adler geb. Stern, Hannelore Adler, Brigitte Adler, Marienplatz 61

    Stolpersteine Hilda Siegfried Kurt Hans Rolf Sondermann
    Siegfried Sondermann, Hilda Sondermann geb. Weil, Kurt Sondermann, Hans Sondermann, Rolf Sondermann, Leonhardstraße 3


  • Gedenktafel "Arisierung" am Gebäude Marienplatz 30 / Kirchstraße 1, zusammen mit Denkstättenkuratorium Oberschwaben, 2013

    Gedenktafel "Arisierung jüdischer Geschäfte"

    Die Inhaber der vier großen jüdischen Kaufhäuser am Marienplatz, Knopf, Merkur, Landauer und Wallersteiner, sind zwischen 1935 und 1938 auf Druck und durch Schikane der Nationalsozialisten gezwungen worden, ihr Eigentum völlig unter Wert an nicht-jüdische Kaufleute zu veräußern. An dieses den jüdischen Kaufleuten zugefügte Unrecht, von den Nationalsozialisten als "Arisierung" bezeichnet, erinnert eine Erinnerungstafel am ehemaligen jüdischen Schuhhaus Sondermann in der Kirchstraße 1 / Marienplatz 30.

Ravensburger Sinti

Aus rassischen Gründen verfolgt wurden auch die Ravensburger Sinti, die als Hausierer und Altwarenhändler schon lange in Oberschwaben heimisch waren. Die rund 100 Sinti wurden im November 1937 im „Zigeunerlager“ Ummenwinkel, das aus 14 Baracken bestand und zur besseren Kontrolle von einem Stacheldrahtzaun umgeben war, gettoisiert und schikaniert. Im März 1943 wurden 35 Männer, Frauen und Kinder in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, 29 Ravensburger Sinti wurden dort ermordet.


  • Mahnmal zur Erinnerung an die 29 im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten Ravensburger Sinti bei der Jodokskirche, 1999 (Eisenbahnstraße 25)

    Mahnmal zur Erinnerung an ermordete Ravensburer Sinti
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    „Zum Gedenken an die 29 Ravensburger Sinti, die am 13. März 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und in den Jahren 1943 und 1944 ermordet wurden. Sie alle waren Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ravensburg und gehörten zur Pfarrgemeinde Sankt Jodok. Albert Guttenberger *1919, Johann Guttenberger *1923, Emilie Guttenberger *1924, Tassilo Guttenberger *1942, Marie Johann *1867, Ludwig Reinhardt *1878, Johanna Reinhardt *1879, Salomea Reinhardt *1880, Magdalena Reinhardt *1898, August Reinhardt *1916, Anton Reinhardt *1920, Karl Reinhardt *1920, Johann Reinhardt *1922, Johanna Reinhardt *1922, Johanna Reinhardt *1925, Heinz Reinhardt *1931, Anna Reinhardt *1933, Rosa Reinhardt *1939, Anita Reinhardt *1940, Natalie Reinhardt *1941, Irmela Reinhardt *1942, Kreszentia Schneck *1860, Anna Schneck *1907, Mathilde Schneck *1925, Hyacintha Schneck *1926, Ewald Schneck *1927, Roman Schneck *1928, Edmund Schneck *1929, Waltraud Schneck *1931“

Zwangsarbeiter

  • 1941-1946 Gräber von Zwangsarbeitern auf dem Ravensburger Hauptfriedhof (Friedhofstraße 37)

    Gräber Zwangsarbeiter

    Die miserablen Zustände insbesondere in den großen Zwangsarbeiterunterkünften führten vor allem im Winter zu schweren Erkrankungen. Unter den 66 "Ausländern", die zwischen 1941 und Ende August 1946 verstarben, befanden sich zwischen 37 und 42 Zwangsarbeiter, bei 14 bis 19 Personen hat man von deren Kindern auszugehen.

    Gräber von Zwangsarbeitern auf dem Ravensburger Hauptfriedhof

  • Entschädigungs-Fonds für die bei der Stadt Ravensburg tätigen 71 Zwangsarbeiter, 2000

  • Zwangsarbeiterlager, Ziegelstraße 16

    Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten annähernd 3600 Zwangsarbeiter in Ravensburg in insgesamt 86 Fabriken, Handwerksbetrieben, bei der Stadtverwaltung und in der Landwirtschaft. Die meisten stammten aus Russland, Polen oder Frankreich. Die Gruppe der Zwangsarbeiter setzte sich aus Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Arbeitern zusammen. Das größte Zwangsarbeiterlager wurde in einer ehemaligen Schreinerwerkstatt, in der Ziegelstraße 16 eingerichtet. Hier waren zeitweise 125 französische Kriegsgefangene untergebracht, seit 1942 diente das Lager zur Unterbringung von 150 russischen Kriegsgefangenen, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Das Lager befand sich in einem vernachlässigten Zustand, die sanitären und klimatischen Verhältnisse waren katastrophal, so dass es häufig zu Erkrankungen unter den Zwangsarbeitern kam.

Katholischer Widerstand

  • Gedenktafel für Erzabt Dr. Raphael Walzer OSB in der Herrenstraße 38 zusammen mit dem Kloster Beuron, 2003

    „Dr. Raphael Walzer OSB, Erzabt von Beuron
    Am 27. März 1888 wurde Josef Walzer als erstes Kind des Schreiners Peter Walzer und seiner Frau Theresia in Ravensburg geboren. In der Herrenstraße 38, dem einstmaligen katholischen Gesellenhaus, verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Als gelehrter Benediktinermönch P. Raphael (Dr. phil., Dr. theol.) und seit 1918 als Erzabt von Beuron hatte er bis 1935 ein großes und erfolgreiches Wirkungsfeld, er gehörte zu den bedeutendsten Männern des deutschen Katholizismus. Er besiedelte unter anderem das Kloster Weingarten (1922) und das Kloster Kellenried bei Berg (1924).

    Eine geistliche Freundschaft verband ihn mit Edith Stein, der Hl. Theresia Benedikta vom Kreuz. 1937 wurde er von den Nationalsozialisten in die Emigration getrieben und gründete 1943 in Rivet (Algerien) eine Theologieseminar für deutsche Kriegsgefangene. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er in Tlemcen (Algerien) ein Benediktinerkloster im Islam auf. Er starb am 19. Juli 1966 in Heidelberg und ruht in der Krypta der Beuroner Abteikirche.“

Politisch verfolgte Ravensburger

  • Gedenktafel für elf politisch verfolgte Ravensburger Kommunalpolitiker, Rathaus Ravensburg, 2015 (Marienplatz 26)

    Gedenktafel für politisch verfolgte Ravensburger Kommunalpolitiker

    Die Stadt Ravensburg gedenkt
    Karl Friedrich August Beese, SPD; Anton Josef Huber, Zentrum; Hugo Gustav Jabs, KPD; Heinrich Matthiesen, SPD, Stadtrat; August Karl Paulke, KPD; Maximilian Pfau, KPD; Johann Schiessl, KPD; Walter Maria Sprinz, parteilos; Ernst Karl Steinbach, KPD; Hermann Stotz, KPD, Stadtrat; Wilhelm Hermann Weigold, KPD;

    Aufgrund ihrer politischen Überzeugung wurden sie 1933 von den NS-Machthabern in den Konzentrationslagern Heuberg und Kuhberg inhaftiert, diskriminiert und schikaniert.

    Die beiden Stadträte Heinrich Matthiesen (SPD) und Hermann Stotz (KPD) sowie weitere demokratisch gewählte Stadträtinnen und Stadträte wurden zudem aufgrund des "Ermächtigungsgesetzes" vom 14. März 1933 und durch das "Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" vom 31. März 1933 aus ihren Ämtern vertrieben und durch NSDAP-Mitglieder ersetzt.
    Sie sind nicht vergessen. Ravensburg, 2015


  • Gefängnis Rotes Haus, Herrenstraße 43

    Herrenstraße 43

    Menschen, die politischen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet hatten, wurden im städtischen Gefängnis, dem so genannten "Roten Haus" inhaftiert. Die inzwischen abgerissene Strafvollzugsanstalt am Schellenberger Turm wurde zu einem Symbol des NS-Unrechtstaates. Widerstand leisteten vor allem politisch linke Gruppierungen sowie die Kirchen. Von der Machtergreifung bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sind hier 35 politisch bedingte Verhaftungen nachweisbar.

    Gedenkstein Gefängnis Rotes Haus am Schellenberger Turm

Zwangssterilisation

  • Gedenktafel für die 602 im Städtischen Krankenhaus zwangssterilisierten Menschen, Heilig-Geist-Spital Ravensburg, zusammen mit Denkstättenkuratorium Oberschwaben, 2015, Bachstraße 57

    Gedenktafel für die zwangssterilisierten Menschen

    Im städtischen Krankenhaus, dem heutigen Heilig-Geist-Spital, wurden seit April 1934 Zwangssterilisationen nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuses" vorgenommen. Von den sterilisierten Personen waren ein Großteil Patienten der Heilanstalt Weißenau, dem Gertrudisheim Rosenharz und der Taubstummenanstalt Wilhelmsdorf. Aus den Anstalten wurden vorwiegend Schizophrene und "Schwachsinnige" in das städtische Spital überwiesen. Die jüngsten Opfer waren ein 13 Jahre altes Mädchen und ein zwölfjähriger Junge. Die Durchführung der Sterilisationen nahm ein solches Ausmaß an, dass sie 1936 der häufigste chirurgische Eingriff im Städtischen Krankenhaus waren.


Stand: 7/2017 Stadtarchiv Ravensburg (Prof. Dr. Andreas Schmauder)

Fotos: Stadtarchiv Ravensburg: Sarah Bongermino. Foto Pinchas Erlanger: Daniel Hartmann.

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