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Neues Kunstmuseum wird weltweit erstes Passivhaus-Museum

Das neue Ravensburger Kunstmuseum wird das weltweit erste zertifizierte Museum in Passivhaus-Bauweise sein. Nach der Fertigstellung 2012 wird das Haus der modernen Kunst mit der bedeutenden Kunstsammlung von Peter und Gudrun Selinka als Kern die Stadt Ravensburg um ein architektonisches Highlight reicher machen.

Mit dem zukunftsweisenden Gebäude aus der Feder des renommierten Architekturbüros Lederer+Ragnarsdóttir+Oei geht das Bad Saulgauer Bauunternehmen Georg Reisch GmbH & Co. KG als Bauherr und Vermieter neue Wege im Museumsbau.

Die Stadt Ravensburg wird das Gebäude zunächst für 30 Jahre vom Investor, der Firma Georg Reisch, mieten. Dieser beziffert die Mehrkosten aufgrund der Passivhausbauweise auf acht bis zehn Prozent. „Das ist es uns wert“, meint Andreas Reisch. „Weil wir der Meinung sind, dass das der Weg ist, der gegangen werden muss.“

Stadt hat Passivhaus-Pläne unterstützt
So sehen das auch die die Verantwortlichen der Stadt Ravensburg, die die Passivhaus-Pläne der Firma Reisch von Anfang an unterstützt haben. Auch wegen der deutlich geringeren Betriebskosten, die die Stadt dadurch zu tragen hat. „Dazu kommt noch der Imagegewinn für Ravensburg“, fügt Reinhard Rothenhäusler, Leiter des Amtes für Stadtsanierung, hinzu. „Die Stadt profitiert gleich doppelt von der Entscheidung für das Passivhaus-Konzept.“

Die Idee, wonach das neue Kunstmuseum in Ravensburg mit einem Heizenergiebedarf von unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr Passivhaus-Niveau erreichen soll, entwickelte sich erst im Laufe der Planungsphase, erklärt Andreas Reisch, Geschäftsführer der Georg Reisch GmbH & Co. KG mit rund 250 Mitarbeitern. „Da unser Unternehmen für eine vorbildliche und innovative Bauweise steht, wollten wir prüfen, ob wir wirklich das erste Passivhaus-Museum bauen können“, erläutert Andreas Reisch.

Hohe Anforderungen
Es geht, stellten die Experten des Planungsbüros Herz & Lang (Weitnau) fest. Letzteres war als Passivhaus-Consulting-Partner ins Boot geholt worden und verfügt über langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des energieeffizienten Bauens. „Ein Museum in Passivhausbauweise stellt an alle Beteiligten sehr hohe Anforderungen“, betont Florian Lang, einer der beiden Geschäftsführer des Oberallgäuer Spezialistenteams. Vor allem die Tatsache, dass ein Kunstmuseum mit einem Minimum an Fenstern auskommen muss und die Gemälde durch künstliches Licht optimal in Szene gesetzt werden, macht die Umsetzung des Passivhaus-Konzepts kompliziert.

„Die solaren Gewinne sind für ein Passivhaus sehr wichtig“, so Lang. „Und die fehlen uns beim Kunstmuseum in Ravensburg.“ Um das auszugleichen, wurde in der Planung insbesondere darauf geachtet, Wärmebrücken zu reduzieren, was sich angesichts des geplanten Wandaufbaus als kniffelig herausstellte.

Die hochwärmegedämmte Museumshülle wird nämlich als zweischalige Konstruktion ausgeführt. Zwischen die Betonwand und die Außenwand aus alten, recycelten Ziegeln kommt eine 24 Zentimeter dicke Dämmung. Ein Problem stellen die Anker und Konsolen dar, mit deren Hilfe die Ziegelaußenwand am Beton befestigt werden soll, die allerdings für Wärmebrücken sorgen. Die Lösung des Problems: Um den negativen Effekt so gering wie möglich zu halten, muss der Stahlanteil des Befestigungssystems drastisch reduziert werden. „Wir brauchen Spezialanfertigungen, aber damit funktioniert es“, erklärt Florian Lang.

Besucher als "lebende Heizquellen"
Und das Passivhaus-Konzept wird auch deshalb funktionieren, fügt der Fachmann hinzu, weil die erwarteten 25.000 Besucher – zusätzlich zur Beleuchtung – als lebende Heizquellen selbst im Winter für angenehme Temperaturen in den Ausstellungsräumen sorgen werden. Eine CO2-gesteuerte Lüftungsanlage erzeugt zudem ein perfektes Raumklima und schützt die Gemälde vor Schäden.

Hohes Dämmniveau
Das hohe Dämmniveau der Gebäudehülle als Kernstück des Passivhaus-Konzepts schafft ohnehin perfekte Bedingungen für den Erhalt der Kunstwerke. Dadurch wird eine gleichmäßige Oberflächentemperatur garantiert und vermieden, dass selbst bei einer geforderten Luftfeuchtigkeit in den Räumen von 50 Prozent (plus-minus fünf Prozent) Tauwasserprobleme auftreten. Die Heizung und Kühlung einschließlich der Be- und Entfeuchtung, geplant vom Planungsbüro Vogt und Feist aus Ravensburg, erfolgt über Erdsonden und eine Gas-Absorbtions-Wärmepumpe, mit einem sehr niedrigen Primärenergiebedarf, samt Betonkerntemperierung. „Die Haustechnik ist sehr gut durchdacht und auf dem modernsten Stand“, erklärt Florian Lang.

Für Professor Arno Lederer, einer der bekanntesten Architekten in Deutschland und Leiter des Instituts für öffentliche Bauten und Entwerfen an der Universität Stuttgart, ist das neue Kunstmuseum in Ravensburg ein Sinnbild für Dauer- und Nachhaltigkeit im Bauen, nicht nur wegen der Passivhaus-Bauweise. „Ganz wichtig ist auch die Frage, woher die Baustoffe kommen und wie viel Energie für ihre Herstellung verbraucht wird“, stellt Arno Lederer fest. Daher der Einsatz von alten Ziegeln aus Abbruchhäusern. Zudem wird im neuen Ravensburger Kunstmuseum weitgehend auf Innenanstriche verzichtet. „Mit jedem Anstrich“, warnt Arno Lederer, „holt man sich eine Ökobelastung ins Haus.“

Weitere Informationen:
Georg Reisch GmbH & Co. KG
Herz & Lang, Die Fachplaner für energieeffizientes Bauen
Lederer+Ragnarsdóttir+Oei, Professor Arno Lederer


Nachhaltig: das neue Kunstmuseum in Ravensburg. Bilder: Firma Reisch.

Auffallend: Das neue Kunstmuseum wird nur wenige Fenster haben.



Ravensburg, 22.3.2011
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