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Alkohol-Präventionsprojekt HaLT zeigt positive Bilanz

Fünf Monate nach seinem Start zeigt das bundesweite Präventionsprojekt gegen übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen auch im Landkreis Ravensburg eine positive Bilanz. 63 Jugendliche wurden bisher in das von der Kreissparkasse Ravensburg und der AOK finanzierte Projekt aufgenommen.

HaLT steht für „Hart am Limit“. Dahinter steckt ein bundesweites Präventionsprojekt, das sich an Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren mit riskantem Alkoholkonsum richtet. Ziel dieses, vom Landkreis Ravensburg in Zusammenarbeit mit der Polizei, der Oberschwabenklinik und der Caritas im vergangenen Mai gestarteten Präventionsprojekts ist es, gefährdeten Jugendlichen über ein entsprechendes Beratungsangebot die Auseinandersetzung mit dem eigenen Trinkverhalten zu ermöglichen und so beizeiten ein Abgleiten in die Sucht zu vermeiden.

Wie dringend ein solches Angebot ist, zeigen die Zahlen der Polizei. So wurden allein seit dem Projektstart vor 5 Monaten insgesamt 112 alkoholisierte Kinder und Jugendliche von der Polizei aufgegriffen und ihren Eltern übergeben. Allen gemeinsam waren Blutalkoholwerte von mehr als einem Promille. Bei 38 Minderjährigen wurden sogar über 1,3 und bei 56 Jugendlichen sogar über 1,6 Promille gemessen. Trauriger Spitzenreiter war ein 17-Jähriger, der 3,8 Promille aufwies. Mädchen stellen dabei mit rund einem Drittel nicht nur einen auffallend hohen Anteil sondern fallen überhaupt durch sehr hohe Blutalkoholwerte auf. Geht es nach den Anlässen für den exzessiven Alkoholmissbrauch bei jungen Menschen, rangieren Volksfeste nach den Analysen der Polizei weit vorne. Dabei sind die alkoholisierten Jugendlichen selten direkt auf dem Festplatz anzutreffen, sondern mehr in dessen Umfeld sowie auf dem Hin- oder Heimweg, zu dem auch das so genannte „Warmtrinken“ oder „Vorglühen“ zählen, schreibt das Landratsamt Ravensburg in einer Pressemitteilung.

Die dabei immer wieder gemessenen „erschreckend hohen“ Alkoholwerte sind ein deutlicher Beleg für den dringenden Handlungsbedarf, betont Uwe Stürmer, Leiter der Polizeidirektion Ravensburg. Neben der Gefahr des Abgleitens in die Sucht kommt es nach seinen Worten unter Alkoholeinfluss zudem deutlich häufiger zu Gewalt sowie zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr. Bei hohen Alkoholkonzentrationen bzw. mehrfacher Auffälligkeit informiert die Polizei deshalb auch zusätzlich die Führerscheinstelle.

Gefordert sind in diesen Fällen vor allem die Eltern, ihre Erziehungspflicht konsequent wahrzunehmen und sich kritisch mit dem Alkoholmissbrauch ihrer Kinder auseinander zu setzen, statt den übermäßigen Alkoholkonsum ihrer Sprösslinge zu bagatellisieren, sind sich Kreissozialdezernentin Diana E. Raedler und Polizeichef Stürmer einig. Hier will auch das neue Präventionsprogramm ansetzen. Wird ein Jugendlicher von der Polizei mit über 1 Promille aufgegriffen oder ins Krankenhaus eingeliefert, wird den Erziehungsberechtigten empfohlen, die Suchtberatungsstelle der Caritas einzuschalten. Willigen die Eltern ein, nehmen die Mitarbeiter der Beratungsstelle Kontakt zu den Erziehungsberechtigten und dem Jugendlichen auf und laden zu einem Informationsgespräch in die Beratungsstelle ein.

Diese enge Kooperation von Krankenhaus, Polizei und Suchtberatungsstelle ist nach Einschätzung von Sozialdezernentin Raedler „absolut ausschlaggebend“ für den Erfolg des Projektes.

Ziel des Projektes ist nach ihren Worten nicht das Androhen von Strafen, sondern durch Aufklärung möglichst viele Jugendliche von einer Wiederholung ihres riskanten Trinkverhaltens abzuhalten. Deshalb ist es für die Caritas-Berater vorrangigstes Ziel, die Jugendlichen für die Teilnahme an einem weiteren Angebot, genannt„EXIT“, zu motivieren. Im Rahmen dieses Gruppenangebots haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit dem eigenen riskanten Trinkverhalten auseinanderzusetzen und eigene Handlungsalternativen zum Alkoholkonsum zu erarbeiten.
Begleitend bietet die Caritas kostenlose Elternseminare an, in dem der gemeinsame Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt steht und Gründe und Hintergründe von jugendlichem Suchtmittelkonsum besprochen werden.

„Wir können mit Blick auf die Anzahl der erreichten Jugendlichen und Eltern und der guten Resonanz von einem recht erfolgreichen Projektstart sprechen“, so Rainer Willibald, Leiter des Caritas-Dienstes „Suchthilfe“. Die meisten Jugendlichen hätten zunächst zwar Hemmungen, sich für EXIT zu entscheiden und nicht zuletzt auch Angst, als „Alki“ oder Problemkind abgestempelt zu werden. Nach dem Seminar waren sich nach seiner Einschätzung aber bisher alle Jugendlichen einig, dass sie nicht nur einiges dazugelernt und Denkanstöße mit nach Hause genommen, sondern dabei sogar noch Spaß gehabt hätten.

Ravensburg, 20.10.2009

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